Es waren vier Tage, die uns gezeigt haben, wie nah Politik am eigenen Leben dran ist und wie anders sich alles anfühlt, wenn man nicht nur darüber liest, sondern mittendrin steht.
Besuch im BMZ
Direkt zu Beginn der Fahrt ging es ins Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), das die deutsche Entwicklungspolitik steuert und Konzepte für Zusammenarbeit mit Partnerländern entwickelt. Dort haben wir über die SDGs (Nachhaltigkeitsziele) gesprochen und auch Einblicke in die Praxis der Entwicklungsarbeit bekommen, z. B. bei Fair Trade Produkten.
Die Diskussion über Lieferketten und Herausforderungen vor Ort z.B. bei der Wasserversorgung oder der Umgang mit Diskriminierung hätte locker noch länger gehen können, aber das Programm war straff organisiert.
Stadtführung durch Berlin
Bei der Stadtführung haben wir Berlin nicht nur als Hauptstadt, sondern als geschichtsträchtigen Ort erlebt. Da es in unserem Bus schön kühl war, konnten wir unserem Guide Peter mit Berliner Schnauze “jut” folgen, wenn es zum Beispiel um die Architektur verschiedener Epochen ging
Dadurch hatte man beim späteren Blick auf Parlamentarismus und NS-Zeit schon Bilder im Kopf und konnte die Ausstellungen viel besser einordnen.
Einblicke in den Bundestag
Der Besuch im Deutschen Bundestag war das Highlight unserer Bildungsreise. Schon der Sicherheitscheck und das Betreten des Gebäudes hatten etwas Besonderes, aber richtig eindrücklich wurde es in der Plenarsitzung, wo wir oben auf der Besuchertribüne saßen. Vor allem ging es dort um den Angriffskrieg von Russland in der Ukraine und dann noch um Organspende, zwei topaktuelle Themen also. Das war auch deshalb besonders, weil Organspende ein Thema ist, bei dem Abgeordnete als Personen und nicht als Parteimitglieder diskutieren, weil es als Gewissensthema gilt.
Zu erleben, wie die Abgeordneten tatsächlich diskutieren, dazwischenrufen, applaudieren, sich Notizen schreiben, mit Parteikolleg*innen tuscheln oder auch mal am Handy auf Instagram scrollen, war anders als eine Übertragung im Livestream oder der Zusammenschnitt bei der Tagesschau. Man sieht viel mehr Details im Verhalten und merkt die Stimmung im Raum deutlich stärker.
Gespräch mit Lisa Schubert
Nach der Plenarsitzung hatten wir die Gelegenheit, mit Lisa Schubert persönlich ins Gespräch zu kommen. Es wurde sich über den Alltag als Mitglied des Bundestags ausgetauscht, konkrete Themen wie Mietpreise, Kritik an der CDU und Altersunterschiede von Politiker*innen angerissen und darüber gesprochen, wie schwierig Kompromisse manchmal sind und was das aktuell größte Problem in Deutschland ist. Dass wir Lizzy direkt Fragen stellen konnten und offen geantwortet wurde, hat Politik nahbar gemacht: Nicht ein diffuses „die da oben“, sondern eine konkrete Person, die sich mit viel Zeit für Politik in unserem Land einsetzt. Etwas mehr Zeit für eine tiefere Diskussion wäre schön gewesen, war wegen des dichten Programms des Bundespresseamts aber nicht möglich.
Kuppel und Blick über die Stadt
Die Besichtigung der Glaskuppel des Reichstags war ein weiterer Moment, in dem sich Symbolik und Realität treffen. Weil es in der Woche in Berlin sehr heiß war, war die Rampe leider geschlossen, aber die Aussicht über die Stadt war trotzdem sehenswert.
Parlamentsgeschichte im Deutschen Dom
Im Deutschen Dom haben wir die Parlamentshistorische Ausstellung des Deutschen Bundestages besucht. Hier wird auf mehreren Etagen die Geschichte des deutschen Parlamentarismus erklärt. Da geht es um frühe demokratische Bewegungen, die Weimarer Republik, das Scheitern der Demokratie im Nationalsozialismus, die friedlichen Revolution in der DDR und den Weg zu den heutigen Strukturen – mit Beispielen von Menschen, die für demokratische Werte eingetreten sind und auch verfolgt wurden.
Es wurde deutlich, dass demokratische Institutionen keineswegs selbstverständlich sind, sondern immer wieder neu erkämpft und geschützt werden müssen.
Topographie des Terrors
Ein weiterer zentraler Programmpunkt war der Besuch des Dokumentationszentrums Topographie des Terrors. Das Dokumentationszentrum steht auf dem Gelände, wo früher Gestapo, SS und das Reichssicherheitshauptamt ihren Sitz hatten – also da, wo der NS-Terror organisiert, geplant und durchgeführt wurde. Die Ausstellung zeigt, wie systematisch Repression, Verfolgung und Vernichtung organisiert waren und verbindet historische Fotos, Dokumente und Biografien mit dem konkreten Ort, an dem diese Entscheidungen einst getroffen wurden.
Atmosphäre in der Gruppe
Was diese Fahrt besonders gemacht hat, war die Dynamik in unserer Gruppe. Wir waren alle politisch interessiert, mit unterschiedlichen Meinungen, und trotzdem war die Stimmung locker und respektvoll – Diskussionen gab es beim Spazieren, zwischen den Programmpunkten, zum Beispiel auf der Kuppel oder abends im Hotel, während wir WM-Spiele geschaut haben oder auf dem Tempelhofer Feld den Sonnenuntergang genossen haben.
Ernsthafte Gespräche, gemeinsame Momente und lustige Abende haben die Wahlkreisfahrt, die offiziell auch Informationsfahrt genannt wird, zu einem echten Austausch über politische Themen gemacht. Zwischen BMZ, Bundestag, Deutschem Dom und Topographie des Terrors lagen nicht nur ein paar U-Bahn-Stationen, sondern verschiedene Blickwinkel auf Macht, Verantwortung und Geschichte.
Gerade das direkte Erleben hat klar gemacht, wie wichtig es ist, Fragen zu stellen und Politik nicht anderen zu überlassen, sondern sich einzumischen.
Vielen Dank an Lisa Schubert von der Partei die Linke für die Einladung!




