Bei einer Fahrt nach Straßburg denkt man vielleicht als erstes an neue Leute, Spaß und eine Reise nach Frankreich. Und das hat auch auf unsere Reise zugetroffen. Aber sie war gleichzeitig noch mehr. Sie hat uns zum Nachdenken angeregt – über Geschichte, Menschenrechte und Verantwortung.
Vom 3. bis 7. Juni haben wir uns nicht nur Straßburg angeschaut, sondern uns in einen Deepdive der NS-Geschichte vor Ort begeben. Dabei ging es auch um die Frage, wie wir heute erinnern und zusammenleben wollen.
Ein besonders prägender Moment unserer Reise war unser Besuch in der Gedenkstätte Natzweiler-Struthof. Das ehemalige Konzentrationslager liegt etwas außerhalb von Straßburg in den Vogesen – ruhig, fast abgelegen, mit einem krassen Kontrast zwischen malerischer Natur und der Geschichte von großem Leid. Hier wurden zwischen 1941 und 1944 schätzungsweise 14.000 bis 22.000 Menschen vor allem durch Zwangsarbeit und Menschenversuche ermordet. In das Hauptlager und die vielen Außenlager wurden vor allem Männer deportiert, die wegen ihrem Widerstand gegen die Nationalsozialisten verhaftet worden waren. Im Lager trugen vier Fünftel der Häftlinge den roten Winkel der politischen Gefangenen.
Vor- und nachbereitet haben wir unseren Besuch mit zwei Workshops. Dazu haben wir uns verschiedene Bilder von Henri Gayot angeschaut und über das Leben im Lager gesprochen.
Außerdem haben wir uns mit zwei Überlebenden Jacek Zieliniewicz und Robert Krieps und ihren Biografien beschäftigt. Dadurch wurden die persönlichen Schicksale greifbarer. Dabei haben wir uns auch über dem Umgang mit der Erinnerung und dem Gedenken diskutiert.
Beim Besuch von Natzweiler-Struthof standen wir dann direkt an einem der Orte, wo die Häftlinge bei unmenschlichen Bedingungen zur Arbeit gezwungen wurden, um die deutsche Kriegswirtschaft am Laufen zu halten und viele dadurch ermordet wurden. Es ging nicht nur um Zahlen oder Fakten, sondern auch darum wohin menschenverachtende Ideologien führen können und welche Verantwortung wir als nachfolgende Generationen dadurch tragen.
Neben der Vergangenheit ging es aber auch um die Gegenwart. Wir haben über Menschenrechte gesprochen und darüber, warum es wichtig ist, sich gegen Faschismus und rechte Ideologien zu positionieren.
Passend dazu haben wir uns auch Straßburg als europäischen Ort angeschaut. Im Europäischen Parlament hatten wir eine Führung und konnten Fragen stellen, zum Beispiel zur Unterstützung der Ukraine oder zu möglichen EU-Beitritten. Im persönlichen Kontakt wurde die Arbeit der EU konkreter und die Institution ist uns menschlicher geworden.
Außerdem konnten wir Straßburg interaktiv mit einer Stadtralley entdecken. Besonders eindrucksvoll war die Kathedrale mit ihren reichen Verzierungen und la Petite France mit den typischen Fachwerkhäusern am Kanal.
Das Miteinander kam natürlich auch nicht zu kurz. Als Gruppe sind wir schnell zusammengewachsen. Wir haben neue Wörter auf Ukrainisch, Französisch und Deutsch gelernt, zusammen Uno und Werwolf gespielt und sind abends gemeinsam durch die Stadt spaziert. Beim „blinden Ei-Transport“ mussten wir uns blind aufeinander verlassen und gemeinsam Hindernisse überwinden und im roten Band haben wir uns ausgetobt, „alle, die..“ gespielt und nochmal neue Seiten aneinander entdeckt. Ein Teil der Gruppe hat sich sogar spontan einer Demo angeschlossen.
Diese Reise war lehrreich, intensiv und verbindend. Sie hat uns gezeigt, wie wichtig Erinnerung ist, wie wertvoll Demokratie ist und wie gut es tut, so eine Erfahrung gemeinsam zu machen. Und das nehmen wir auch mit nach Hause.





