Was bedeutet Einheit? Welche Werte stützen eine Demokratie? Und was können wir aus vergangenem Lernen?
Deutschland entschied sich einst, nicht den Tag des Mauerfalls, sondern den Tag der Unterzeichnung des Einigungsvertrags und den Beitritt der DDR in die BRD als Feiertag zu wählen. Der 9. November als Tag des Mauerfalls schien zu sehr gezeichnet von Gewalt und Trauer in der deutschen Geschichte. Doch genau diese Gewalt, ausgehend von rechts, ist der blinde Fleck in der Erzählung über die DDR und BRD. Die sogenannten Gastarbeiter*innen waren im Westen mehr geduldet als respektiert, in der DDR wurden Tausende von Vertragsarbeiter*innen und Student*innen aus Vietnam, Mosambik und anderen Ländern eingeladen und waren schließlich rechter Hetze ausgesetzt.
Mit dem Mauerfall beginnt für die einen eine vermeintlich bessere Zukunft: der Beginn eines vereinten und demokratischen Raums, voller Zuversicht, Respekt und Anerkennung. Doch waren das die Gefühle und Sehnsüchte aller Bürger*innen des „neuen“ Deutschlands? Das Land erfuhr eine tiefe Spaltung, aus heutiger Sicht vielleicht vorhersehbar: Rechtsextremismus und Rassismus ließen Häuser brennen und vertrieben migrantische Mitbürger*innen, welche eigentlich schon fester Bestandteil der Gesellschaft waren.
Zum Tag der deutschen Einheit wollen wir die Geschichte aus der Perspektive der Unsichtbaren beleuchten, derer die sich einst mit Hoffnung und Visionen nach Deutschland begaben. Gemeinsam schauen wir zwei Filme, welche die Lebensrealitäten von Migrant*innen aus der Türkei und Vietnam abbilden. Der Abend wird begleitet von den Experten Prof. Dr. Ömer Alkin und Dr. Kien Nghi Ha.
Das Publikum ist eingeladen in den Austausch über Zugehörigkeit, Verantwortung und Identität zu gehen, auch in Bezug auf die Zukunft unserer Demokratie.
Prof. Dr. Ömer Alkin arbeitet im Ruhrgebiet und hält die Professur für Angewandte Medien- und Kommunikationswissenschaften der Hochschule Niederrhein inne. Er forscht zur postmigrantischen Medienkultur: „einem Raum, in dem sich unsere Gesellschaft neu entwirft. Audiovisuelle Medien bilden Differenz nicht ab, sie stellen sie her. Wie das geschieht und welche Zukünfte dabei denkbar werden, untersuche ich diskriminierungskritisch”. Dabei interessieren ihn besonders die Schnittstellen zu Kunst, Kultur und Medienpraxis. In einer postmigrantischen Gesellschaft stellt sich zwischen einer unaufhaltsamen Medienflut und Rechtspopulismus die Frage: „Welche Bildung braucht eine Gesellschaft im medienkulturellen Zeitalter?”
Dr. Kien Nghi Ha ist Kultur- und Politikwissenschaftler, Kurator sowie vielfacher Buchautor in Deutschland mit den Schwerpunkten postkoloniale Studien, Migration und asiatische Diasporagemeinschaften. Er promovierte an der Universität Bremen, forschte an der New York University, sowie in Heidelberg und Bayreuth, derzeit arbeitet er an der Universität Tübingen. Mit seiner Arbeit leistet er einen wichtigen Beitrag zur Forschung über kulturelle Identität und die Verflechtungen von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in Bezug auf gesellschaftlichen Wandel.
Fr. 3.10.2026
18:00-21:00 Uhr
Café Franzmann
kostenlos
Für wen? Der Filmabend richtet sich an alle, die Interesse an der Auseinandersetzung mit migrantischen Perspektiven auf die deutsche Einheit haben.



